gleich
gleich
gleich
gleich
schwarz
gleich
gleich
gleich
weiß
gleich
gleich
gleich
wurst
gleich
gleich
gleich
käse
gleich
ist
nicht
gleich
gleich
gleich
gleich
egal
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Was soll denn das sein? Frau Grupp schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Ein Gedicht und Beitrag zum 5. Wort vom Projekt [*.txt] von Dominik Leitner. Ich habe mich auch für den NaPoWriMo eingetragen. Letzteres verlangt, dass ich im Monat April 30 Gedichte schreibe, quasi jeden Tag eins. Eine Herausforderung. Insoweit praktisch, wenn ich enen Beitrag für beide verwenden kann.
Am 11. März 2015 teilte Dominik Leitner sein viertes Wort für das Projekt [*.txt] mit. Es lautete "Bild".
Mit Brainstorming, dem Gedankensturm, komme ich schnell auf Ideen: Bilder sind Abbilder, nicht die Wirklichkeit, sondern Kopien. Und selbst da kann man nicht sicher sein. Denn ein Bild ist für mich etwas flaches, die Wirklichkeit ist dreidimensional, also sind Bilder nicht das Echte, Wahre, sondern immer nur Darstellungsversuche. Auch Fotos und Zeichnungen, Illustrationen. Alles Versuche, etwas bildlich festzuhalten, zu dokumentieren. Versuche, einen Sachverhalt oder Gefühle in Bildern auszudrücken.
Pinterest kommt mir in den Sinn. Was passiert da?

{jcomments on}
atme
in deine augen schauen
in deine seele tauchen
dunkelheit
und atemzüge
schweren herzens
kein wort erlauben
nicht mal flüstern
stille
und atemzüge
schweren herzens
in die seele lauschen
dumpfes rauschen
taubheit
und atemzüge
voller sehnsucht
der abgrund in mir
sieht den abgrund in dir
in ruhe
atme
viele atemzüge noch
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Dies ist mein Beitrag für das dritte Wort "abgrundtief" im Projekt *.txt. Mehr zum Projekt, den bisherigen Worten und Beiträgen steht bei neon wilderness.
Vom Wünschen alleine wird man nicht satt. Wünschen alleine bezahlt keine Miete oder Strom und Telefon. Wünschen alleine schafft auch nichts.
Zum Beispiel wünsche ich mir Ordnung und Struktur, im Leben und auch sonst so. Zum Beispiel in der Sockenschublade, damit ich einfach hineingreifen kann und ein zusammengehöriges Sockenpaar finde. Oder Ordnung für das Fach in meinem Küchenschrank, wo Tupper und Kunststoffboxen zusammen mit Plastikdeckeln ein wackeliges Gebilde formen, das vielleicht nicht heute einstürzt, aber vielleicht in einer Woche.
Soll ich meinen Schreibtisch erwähnen, den Tisch daneben und die Ablageboxen auf dem Boden? Ja, ich habe sehr praktische Ablageboxen. Sie sollten für mich einmal die Wende zu einer einfach einzuhaltenden Ordnung schaffen. Aber das konnten sie ohne mich nicht. Ich glaube, ich habe sogar leere Ablageboxen.
Ich habe mir vor einigen Jahren eine dicke Vorlagemappe gekauft. Darin wollte ich wichtige Unterlagen nach Monaten und Tagen sortieren, damit ich alles rechtzeitig erledige. Stolz sortierte ich Papiere hinein, immer wieder. Neulich fiel zufällig mein Blick auf die Mappe und ich erschauderte. Die Mappe quoll über vor Papieren. Bestimmt dauert es Tage, das alte Zeugs zu sortieren und zu entsorgen.
Es gibt viele Ordnungssysteme. Karteikästen, Ringbücher, Plastikablagen, Kartons. Sie sind praktisch und durchdacht. Und jedesmal, wenn wieder einmal Werbung ins Haus flattert für solche praktischen Utensilien, Unterbettkommoden, Flaschensortiertaschen, Sockenschubladenorganizer - dann will ich aufspringen und sofort kaufen.
Es ist so verheißungsvoll. Ich glaube immer, dass die Dinge der Anfang vom Ende der Unordnung sind. Ich wünsche es mir.
Aber es sind nicht die Dinge. Und Wünschen alleine erzeugt keine Ordnung. Am Anfang der Ordnung stehe nämlich ich. Es gibt keinen anderen, der es für mich tut.
Bei mir herrschen Ordnung und Struktur allerdings nur beim Schreiben: Einen Text zu schreiben, also Buchstaben, Wörter, Satzteile in eine Reihenfolge zu bugsieren, zu der ich Ja sagen kann. Aber gerne doch! Einen langen, langen Text zu strukturieren, ihn mit Zwischenüberschriften aufzuhübschen, mit geordneten (oder ungeordneten) Listen zu versehen, Textteile zu fetten, Absätze zu formatieren. "Ja, ja, ja," ruft es in mir, "Texte her zu mir: Ich ordne euch gerne."
Wenn Wünschen hilft, dann wünsche ich mir Folgendes:
- Dass ich meine Schublade voller Socken wie einen Text behandeln kann: Ich würde alle Paare sofort mit einem Bindestrich verbinden, damit sie nicht aus Versehen getrennt werden können.
- Dass ich auch den Text im Küchenschrank erkenne: Ich würde die Tuppersatzteile in Reih und Form bringen und die Deckel im Nebensatz erwähnen.
- Dass ich mein Leben wie einen Text zu lesen lerne und sich mir seine verborgene Ordnung enthüllt.
Und wenn Wünschen hilft, dann ist dieser Text auch völlig in Ordnung.
Das wünsche ich mir.
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Dieser Text entstand durch die Inspiration mit dem Wort "wünschen" des Projekt .txt von Dominik Leitner (www.neonwilderness.net). Bei dem Projekt wird 2015 alle drei Wochen ein Wort gezogen und die teilnehmenden Autorinnen und Autoren haben drei Wochen Zeit, dazu einen Text zu veröffentlichen. Das erste Wort war "Gratwanderung". Alle Beiträge werden hier verlinkt: http://neonwilderness.net/txt/txt-die-beitraege/
"Gratwanderung" lautet das erste Wort im Projekt *.txt. Bei diesem Projekt von Dominik Leitner (www.neonwilderness.net) wird alle drei Wochen ein Wort "gezogen" und alle teilnehmenden Autorinnen und Autoren haben drei Wochen Zeit, um einen Text zu veröffentlichen. Ob nun eine Geschichte, einen Brief, ein Gedicht, ein paar Zeilen, was auch immer. Hauptsache man schreibt. Hier gibt's die Projektankündigung *.txt
Und hier mein Gedicht. Ja, ein Gedicht - warum nicht?
Gratwanderung
Ich wandere auf schmalem Grat
Ein Wandervogel auf Maschendraht
Nach Links schielen
Nach Rechts zielen
Im Gehen entsteht mein Pfad
Im Hinterland ruhige Milde
Im Vordergrund Wolkengebilde
Steiler Abhang nadelholzschwer
Unten vermutlich ein Meer
Mein Leben erwandert zu Fuß sich das Wilde
Auf solchem Grat wandern!
Davor warnen die andern
die sich in Sicherheit wiegen
die niemals träumen vom Fliegen
Ach, lasst sie weiter mäandern!
Doch bin ich ehrlich
Gratwandern ist gefährlich
Füße und Hände ertasten die Welt Schritt für Schritt
Augen bewachen jeden einzelnen steinigen Tritt
Meine Sinne sind unentbehrlich
Will mein Herz jetzt verzagen
Werd' ich den Absprung wieder nicht wagen
Abseitige Aussichten im Blick
Absurdes Gerede von Glück
Doch der Grat wird mich Tragen