Blog

{jcomments on}Blogartikel rund um Text, Schreiben, Inspiration, Kreativität, Bücher,

Ich bin keine fleißige Gärtnerin, aber ich bin froh, über einen Balkon zu verfügen und bepflanze Balkonkästen und Kübel.  Jeden Tag entdecke ich neue Kleinode, Blüten, die sich öffnen, Wassertropfen, die sich auf der Kapuzinerkresse zu Murmeln formen, und - ja, natürlich - Kleingetier, das in der Pflanzenwelt lebt. Letztes Jahr habe ich einen Krieg gegen die Blattläuse geführt, heuer beobachte ich sie, wie sie von den Ameisen gehalten werden und lasse sie gewähren, vorerst. Sobald die Tomaten angegriffen werden, wehre ich mich wieder! Ich weiß gar nicht, wie alle meine Pflanzen heißen, außer die Studentenblumen (Tagetes), ich freue mich einfach über jede neue Blüte. Und es macht Spaß, mit den Murmeln zu spielen: fotografieren, ausschneiden, variieren: Das gilt natürlich auch für all die anderen Kleinode im Balkongarten. Geranien, oft verschmäht, zeigen ungeahnte Farbwelten, wenn man die Tonkurve nicht kontrollieren kann ;-)
Ich fand es seltsam, als mich mal jemand auf mein "Handicap" ansprach. Ich bin schwerhörig, und wahrscheinlich wollte er das deutsche Wort "Behinderung" vermeiden. Bei "Handicap" denke ich aber eher an das Golf-Spiel. Oder an das englische "handicapped" - und bei dem Begriff denke ich unweigerlich an Menschen mit einer Gehbehinderung. Was ist Behinderung? Das ist im Deutschen ähnlich. Die meisten denken im Zusammenhang mit dem Wort "Behinderung" an Querschnittslähmung, Rollstuhlfahrer, vielleicht auch noch an Geistesbehinderung. Entsprechend wurde jahrelang der Begriff "barrierefrei" vor allem auf die Mobilitätshindernisse angewendet. Trottoirs wurden abgesenkt, Haltebahnstellen erhöht, Türen verbreitert, Fahrstühle und Treppenlifte eingerichtet. Zahlreiche Aktivisten haben ihres dazu beigetragen, dass "Barrierefreiheit" immer weiter gefasst wurde, und dass z.B.  Räume und Veranstaltungen auch für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen zugänglich gemacht wurden. Nicht zuletzt wird immer öfter auch für die Webseitengestaltung Barrierefreiheit angestrebt (siehe hierzu die Seite www.einfach-fuer-alle.de). Keine Besonderheiten - dafür viel Vielfalt Der (relativ) neue Begriff ist Inklusion. Was das ist, beschreibt das nebenstehende Schaubild aus Wikipedia sicher am besten: Stufen der Integration: InklusionInklusion sei verwirklicht, so heißt es in dem entsprechenden Wikipedia-Artikel, wenn das Vorhandensein von Unterschieden und Abweichungen nicht in Frage gestellt oder als eine Besonderheit angesehen wird. Normal sei die Vielfalt. Ein schöner Gedanke. Die unsichtbare Schwerhörigkeit Schwerhörigkeit ist Hörbehinderung ist Kommunikationsbehinderung - darauf läuft es hinaus, leider ist meine Behinderung fast unsichtbar. Sie mögen jetzt anders denken, aber das macht es gerade nicht einfacher, denn ich muss mich immer wieder erklären. Schwerhörigkeit, habe ich lernen müssen, heißt immer wieder darauf aufmerksam machen, dass ich etwas nicht verstanden habe, und dass ich es im Umgebungslärm nie verstehen werde, es sei denn mein Kommunikationspartner unterstützt mich. Mein Handicap ist nicht so sehr die tatsächliche physische Behinderung (an die bin ich längst gewöhnt), sondern die Hemmschwelle, dem anderen selbstbewusst die Mithilfe abzuverlangen. Es ist die Angst, eine besondere Rücksichtnahme für mich zu verlangen. Inklusion ist eine schöne Vision. Es wäre dann völlig normal, anders oder besonders zu sein. Für Jeden innerhalb der Gesellschaft. Was wäre die Folge? Ich würde mir über dieses ganze Thema überhaupt keine Gedanken machen. :-)
[caption id="attachment_7" align="alignleft" width="300" caption="Muster mit Schiffen, Delphinen, Wellen"]Pattern by Gruppli[/caption] Ja, ich liebe Farben. Ich habe schon immer gerne gemalt, habe nach dem Abitur drei Semester an einer ausländischen Kunstschule intensiver gemalt und modelliert (die heutige ESBA Cartagena/Kolumbien) und besuche auch heute immer mal wieder einen Kurs in Malerei oder Zeichnen, um mir neue Impulse zu holen. Im Internet bin ich vor Kurzem auf die Seite der Colourlovers aufmerksam geworden. Ich bin in einer Arbeitsgruppe, die eine Homepage modernisieren möchte. Und wir stehen vor der Aufgabe, die Farbe soweit beizubehalten, dass die Besucher auch weiterhin IHRE Seite wiedererkennen. Mit den Werkzeugen bei den Farbliebhabern kann ich mir verschiedene Paletten zusammenstellen und so die Farbwirkung testen. Ich kann als registrierter User auch ein Foto hochladen und die Farbharmonie des Fotos in eine Palette umsetzen. Das gefällt mir sehr gut, und es ist auch ein schöner Zeitvertreib. Ich habe sogar ein "Pattern" ausprobiert - ein Muster, das ich z.B. als Hintergrund für eine Webseite einsetzen könnte. Für diesen Blog hier schien es mir dann allerdings doch zu verspielt und niedlich - es ist das Muster, das am Artikelanfang steht.
Manchmal jagt ein Gedanke den nächsten. Ich bin Spezialistin dafür, immer wieder neu über das Was-Wäre-Wenn nachzugrübFeuersteine am Strand aufgelesen und aufgestapelteln. Dann fällt mein Blick auf einen Stapel Papier, der dringend sortiert werden müsste, und ich muss an all die Dinge denken, die sonst noch zu tun sind - im Haus, bei der Arbeit, mit den Behörden, mit dem Auto. Hier fehlt ein Knopf am Bettbezug, die Kaffeemaschine müsste entkalkt werden. Es ist frappierend, was sich alles an Szenarien und nur in Sekundenschnelle allein im Kopf abspielen kann. Nichts ist damit tatsächlich getan oder gelöst. Die Wirkung ist aber deutlich: Ich fühle mich unwohl, schuldig, angetrieben zur Eile. Als hätte ich kein Recht darauf, auch nur eine Minute nichts zu tun. Dabei halte ich das Nichtstun für ein elementares Grundbedürfnis für Körper, Geist und Seele. Das Gedankenkarussell verhindert (wie die Fliehkraft), dass ich in meiner Mitte bin. Es zieht mich raus aus dem Inneren. Ich brauche deshalb als Gegenpol einen festen Bezugspunkt in mir selbst. Wenn ich meine Mitte gut spüre, dann kann mich nichts so schnell aus der Bahn werfen. Methoden der Stressbewältigung arbeiten mit diesen Mitteln: Atemübungen, Körperbewusstsein kultivieren, Konzentration auf das innere Erleben, Verwurzelung und gute Erdung. Da ist die absolute Ruhe, wie sie in der Meditation kultiviert wird. Die Gedanken auf Ein- und Ausatmung fokussieren, nicht werten, Emotionen loslassen, einfach sein. So wie man den Körper durch beständiges Üben kultivieren kann, so kann man auch die Gedankenwelt kultivieren. Zum Beispiel mit dieser schönen Qigong-Übung: das innere Lächeln. Ich denke dabei an etwas, das mich zum Lächeln bringt. Ich spüre das Lächeln in den Mundwinkeln entstehen, lasse es über das ganze Gesicht ausbreiten und leite es dann in meine inneren Organe bis ich meine, ganz mit diesem Lächeln ausgefüllt zu sein. Dann versiegele ich dieses Körpergefühl, indem ich meine beiden Hände auf den Nabel lege. [caption id="attachment_393" align="alignright" width="120" caption="Das innere Lächeln"]Inneres Lächeln[/caption] Eine solche Übung regelmäßig angewendet, sorgt dafür, dass ich immer wieder lächelnd in meinen Körper hineinschaue. Und das hat so viele entspannende Wirkungen, dass ich sogar glaube, es kann auf Dauer das Gemüt positiv beeinflussen. Und der Stapel Bügelwäsche? Die Arbeit, die heute noch getan werden muss? Nun, ich kann die Arbeit nicht weglächeln. Aber ich kann immer hinterfragen, was wirklich JETZT SOFORT zu tun ist. UND ich kann beeinflussen, wie ich mich mit der Aufgabe fühle. Ich kann mir die Arbeit erleichtern, indem ich sie tue, ohne das Gedankenkarussell anzuwerfen.

Es war einmal ein Blog. Er enthielt viele Beiträge. Nicht nur Texte, sondern auch viele bunte selbstgestaltete Bilder. Anfangs hatte seine Bloggerin ganz viel geschrieben. Dann seltener. Dann gar nicht mehr. Das machte den Blog traurig, er sehnte sich nach einem Happy End.

 

Manchmal öffnete die Blogbesitzerin zwar die Webseite und dachte: "Ich müsste mal wieder was schreiben". Aber dann verschob sie es wieder. Irgendwie kam sie nicht dazu.

 

Die Blogbesitzerin überlegte, ob ihre Themen überhaupt interessant genug waren. Oder ob sie mit dem Blog einfach nur etwas hatte Ausprobieren wollen. Ob es einfach ein Hype war, der mit der Zeit verblasste. So wie ein neues Kleid, das irgendwann den Reiz des Neuen verloren hatte und das in der hintersten Ecke des Kleiderschranks vergessen wurde.

 

Vielleicht hatte die Blogbesitzerin aber auch einfach nicht das richtige Thema gefunden, über das sie ständig schreiben konnte und wollte. Sie wollte noch nicht aufgeben. Irgendwann beschloss sie, neu anzufangen. Die Bloggerin zog dazu ihren Blog um. Und was dann geschah, war...

 

...über ein Jahr lang genau: Nichts. Wieder fand sich keine Zeit oder Lust, sich nach der Arbeit aufzuraffen, um etwas niederzuschreiben. Die vermeintliche Bloggerin sah gewisse Parallelen zu anderen Aspekten des Lebens, das sich doch gerade dadurch definierte, dass es so wechselhaft und unbeständig war. Wechselhaft wie die Themen ihres Blogs und unbeständig wie sie in ihrer Lust, an dem Blog weiterzuarbeiten. Insofern...

 

Sie resümierte für sich und redete ihrem Blog gut zu: "Es kann in der Zukunft weitere Texte geben, es kann aber auch weiterhin Schweigen herrschen und gaaaaanz lange Pausen." Ein Happy End braucht es hier zunächst nicht. Der Blog nickte und schwieg dazu.

Unterkategorien