Bücher

Rezensionen und Buchempfehlungen

Aufgeklapptes Buch und Stöckchen, Schriftzug BlogstöckchenZum Welttag des Buches am 23.04.2014 gab es mehrere schöne Lesefreude-Aktionen. Es wurde auch ein Blogstöckchen geworfen, ich habe es auf dem Behindertenparkplatz gefunden - und natürlich aufgehoben:
Die Aufgabe lautet: “Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger/innen und informiere diese darüber.”

1. Fühlen, was wir brauchen: Die Praktische Inklusive Kommunikation, von Theresia Friesinger

Ich finde ja so ziemlich alles über Kommunikation sehr interessant. Was bedeutet es, wenn wir inklusive Kommunikation betreiben? Eine Kommunikation, die niemanden ausschließt, vor allem auch uns selbst nicht. So verstehe ich das Ziel dieses Buches, das als Praxisbuch konzipiert ist und Ansätze zum "Wie" der Veränderung anbieten will. Der Klappentext  listet noch Stichworte wie Veränderungsintelligenz, Gefühls- und Wertebewusstsein sowie Selbstempathie-Übungen zur Selbsteinfühlung.

2. Holistic Pulsing: Die heilsame Kraft der Berührung, von Jan Vonk

"Pulsing" meint behutsame schwingende, wiegende oder eben pulsierende Bewegungen. Ich habe hierzu mal ein Video auf Youtube gesehen, das mich fasziniert hat. Vielleicht kann man es als eine Art passives Qigong bezeichnen? Denn in der Regel wird man von jemandem, der/die die entsprechende Ausbildung hat, gepulst. Ich möchte gerne mehr darüber wissen, daher steht dieses Buch auf meiner Liste.

3. How to Make a Journal of Your Life, von Dan Price

Es ist ein "How-to"-Buch, natürlich. Ich schreibe eigentlich kein Tagebuch, und dieses Buch ist auch keine Anleitung zum Tagebuchschreiben. Es lädt mit verschiedenen Übungen dazu ein, neben Schreibstift auch mal eine Kamera in die Hand zu nehmen oder einen Pinsel, Marker, und andere Materialien. Es gibt viele Wege ein Papier kreativ zu bearbeiten. Und ein "Journal" kann sehr viel mehr sein, als die Aufzählung dessen, was man an einem Tag so treibt.

4. Die Musenkussmischmaschine: 132 Schreibspiele für Schulen und Schreibwerkstätten, von Gerd Herholz und Bettina Moser

Schon allein des Titels wegen: Ja, das Buch will ich haben. Schreibspiele lassen sich vielfältig einsetzen: als Schreibimpulse vor dem leeren Blatt, für Schreibnachmittage mit Freundinnen, für Schreibwerkstätten und für das kreative Schreiben in der Schule. Ja, will ich haben.

5. Heldenreise ins Herz des Autors: Das Handwerk der Inspiration, von Ulrike Dietmann

Schreibblockaden drücken sich gerne darin aus, dass man viel lieber Bücher übers Schreiben liest, anstatt es selbst zu tun. Trotzdem spricht mich dieser Buchtitel an. "Jeder Autor befindet sich auf einer Heldenreise. Nicht nur jeder Autor, sondern jeder Mensch, ob er es will oder nicht, ob es ihm bewusst ist, oder nicht", schreibt Ulrike Dietman in der Leseprobe. Und deshalb will ich dieses Buch lesen, und dann will ich schreiben. Mein Blogstöckchen werfe ich folgenden Bloggerinnen zu:  Andrea vom Wortladenblog, Nina Bodenlosz, Heike von der Kölner Leselust, Frau Ziefle, Andrea von querbeetgelesen, Annette von der Worthauerei und Rumreiserei. Damit die Acht voll wird, dürfen auch andere gerne das Stöckchen aufheben. Hinterlasst mir dann am besten einen Kommentar und verlinkt euren Beitrag. Freu mich auf spannende Bücherlisten.
[caption id="attachment_782" align="alignleft" width="296"]Frau mit Tüte Pommes, sitzend auf Sofa vor dem Fernseher Einfach so bleiben? Oder runter von der Couch und ab zum Coach Potato?[/caption] "Und was haben wir daraus gelernt?" Das ist eine Frage, die sich den Simpsons nach einem Chaos üblicherweise stellt. Üblicherweise heißt die Antwort: "Gar nichts." Die Figuren in der Trickserie bleiben wie sie sind, ihre Handlungen sind vorhersehbar, und sie landen zielsicher immer wieder in derselben Bredouille. Man könnte noch ergänzen, das Publikum liebt sie genau dafür. Rebecca Niazi-Shahabi leitet daraus einige interessante Ideen ab. Nämlich keine Philosophie zur persönlichen Weiterentwicklung, sondern einen Anti-Ratgeber: "Ich bleibe so scheiße, wie ich bin." Den Buchtitel fand ich zunächst blöd. Erstens liegt es mir fern, mich als scheiße zu bezeichnen, und zweitens möchte ich mich natürlich weiterentwickeln. Und natürlich möchte ich im Leben etwas dazulernen. Natürlich! Natürlich?

Ist Weiterentwicklung natürlich?

Die Neugier war größer als meine Abneigung gegen den Titel. Ich habe mir also das E-Book gekauft. Und schon nach den ersten Zeilen stellte sich bei mir eine angenehme Entspannung ein. Niazi-Shahabi lädt dazu ein, locker zu bleiben. Im Grunde verbreitet sie ein Plädoyer für mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Ich lese folgende Tipps heraus:
  • Akzeptiere dich, wie du bist. Handle nicht mehr gegen deine Natur.
  • Erkenne deine Schwächen - und mach sie zu deinen Stärken.
  • Erkenne deine eigenen Motive - und wehre die Ansprüche der anderen ab.
Doch das Buch hat mehr zu bieten. Niazi-Shahabi untersucht viele Aspekte, die mit dem Thema Selbstoptimierung und der Suche nach Glück und Zufriedenheit zusammenhängen. Dabei spannt die Autorin einen Bogen von Aristoteles über das Christentum zur calvinischen Arbeitsmoral. Letztere sei schuld, wann immer wir ein schlechtes Gewissen hätten, sobald wir uns amüsieren oder faulenzen. Heute spielten auch die Leistungsgesellschaft und die Arbeitslosenzahlen eine große Rolle.

Oder ist es ein Wahn?

Niazi-Shahabi spricht von einer Selbstverbesserungspropaganda, die uns ständig ermahne, uns gesund zu ernähren, Sport zu treiben, überflüssige Pfunde zu verlieren, an Beziehungen zu arbeiten, lebenslänglich zu lernen, achtsam zu sein, unsere Träume zu leben und erfolgreich Karriere zu machen... Als ob ständige Anstrengungen erforderlich seien, um nur endlich das 'richtige Leben' zu führen. Dieser Wahn führe dazu, dass man an seinem wirklichen Leben quasi vorbeilebe, weil
  • ... es ja noch nicht das 'richtige Leben' sei,
  • ... man 'eigentlich'  ja noch dies und jenes erreichen wolle,
  • ... man dazu erstmal dies und jenes optimieren müsse.
Mit dem Selbstoptimierungswahn sei es wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel, man könne nicht gewinnen. Nie sei man gut genug - und obendrein sei man auch noch selbst schuld daran. Wenn die vielen Ratgeber, Selbsthilfebücher, Coaches uns versprechen, dass man nur richtig an sich arbeiten oder 'positiv denken' müsse, um sich zu verändern, dann müsse man sich im Umkehrschluss ja erst recht als Versager fühlen, wenn es nicht gelingt. Burnout und Depression könnten folgen, je öfter wir uns in diese Maschine begeben.

Auf dem Weg zur Freiheit

Alles in allem spricht die Autorin eine Warnung vor Weiterentwicklung aus: Alles nur verlorene Zeit und Mühe - ob es um den Kampf gegen das Rauchen oder gegen die Kilos geht. Die einzige Ausnahme: Wenn man seinen Alltag sonst nicht mehr bewältigen kann - also, wenn man krank ist. Alle anderen sollten sich gründlich überlegen, ob das, was sie an sich verändern möchten, nicht vielleicht auch einen Vorteil darstellt. Leide ich unter Perfektionismus oder darunter, dass ich unordentlich bin? Will ich viel erleben und ausprobieren oder Karriere machen? Bin ich vielleicht lieber kein Organisationstalent, sondern bleibe ein kreativer Chaot?  Und habe ich nicht vielleicht doch bessere Chancen beim anderen Geschlecht, wenn ich so bleibe, wie ich bin? Ganz authentisch ich - mit meinen Pfunden? Dieses Buch ist ein guter Begleiter für einen entspannteren Umgang mit dem Optimierungsdruck. Es regt an, sich über die eigenen Motive klar zu werden, bevor man ein Selbstoptimierungsprojekt startet. Und es lädt dazu ein, die Erwartungen von anderen bzw. der Gesellschaft zu hinterfragen und über alternative Lebenskonzepte nachzudenken.

Tipps/Methoden:

  • Konfrontation mit wiederkehrenden Aussagen der Selbstoptimierungsindustrie wie z.B. "Sie haben alle Möglichkeiten, es liegt nur an Ihnen, was Sie daraus machen."
  • Sich den Erwartungen von anderen Menschen verweigern. Nicht mehr rechtfertigen oder entschuldigen, sondern einfach mal  sagen "Dazu habe ich keine Lust" oder "Das ist mir zu anstrengend."
  • Sich ausmalen, wie es wäre, nichts tun zu müssen bzw. wenn man alles tun könnte, was man wolle. Echte Freiheit verspüren, wenn man nicht mehr das Beste aus sich herausholen müsste.

Zitate:

Wer besser werden will, hat's nötig! Erklären Sie an sich selbst nichts mehr zum Problem, dann wird alles gut.
Rebecca Niazi-Shahabi: Ich bleibe so scheiße, wie ich bin - Lockerlassen und mehr vom Leben haben. Erschienen 2013 im Piper Verlag, als Taschenbuch oder  E-Book erhältlich. ISBN 978-3-492-95914-8  

Buchcover des E-Books "Schreibblockaden"

Was für ein Fundus an Tipps, Gedanken, Inspiration und Impulsen!

Als Kerstin Hoffmann Mitte Oktober 2013 zur “Blogparade gegen die Schreibblockade” aufrief, zückten über 80 Autorinnen und Autoren die Feder bzw. die Tastatur und beschrieben Tipps und Erfahrungen, Ideen, Strategien, Checklisten für das lästigste aller Texter-Übel: die Schreibblockade.

Alle Beiträge der Blogparade hat Kerstin Hoffmann nun zu einem E-Book zusammengefasst. 85 Beiträge auf 245 Seiten. Auch mein Text ist dabei. Mein Blogbeitrag "Worin besteht die Schreibblockade?" ist im E-Book die Nummer 14, auf Seite 44 zu finden.

Das E-Book steht im PR-Doktor-Blog zum kostenlosen Download zur Verfügung, ohne Anmeldung oder Registrierung. Hier der Link zur entsprechenden Beitragsseite: http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2013/12/10/e-book-schreibblockade/

Bitte weitersagen.

:-)

4-Hour-body-mp-webFitter - gesünder - attraktiver - Mit minimalem Aufwand ein Maximum erreichen. So hätten wir es gerne,  und darüber geht es in dem Buch des Erfinders der 4-Stunden-Woche (auch so ein Bestseller). Und nun weiß ich nicht recht, was ich von dem Buch halten soll. Tim Ferriss hat in dem 4-Stunden-Körper 2010 aufwändig neueste Erkenntnisse rund um den Körper gesammelt, damit wir, die Leser, uns das eigene Recherchieren sparen können. Der schillernde Autor hat sich mit Studien auseinandergesetzt und direkt mit Wissenschaftlern, Sportmedizinern und professionellen Trainern gesprochen. Und weil er so experimentierfreudig ist, hat er selbst Versuchskaninchen gespielt. Die Ergebnisse schildert er in dem Buch. Der 4-Stunden-Titel suggeriert, dass es wirklich um 4 Stunden ginge. Gemeint ist aber, dass es einige wenige Methoden gibt, die besonders gut wirken.  Und dass es leichter sei, sich mit diesen wenigen Methoden und Übungen fit und schlank zu halten, statt mit einem zeitraubenden Rund-um-Paket, wie z.B. vielen verschiedenen Übungen und ihre vielen Wiederholungen an mehreren Tagen die Woche oder im Falle einer Ernährungsumstellung viele verschiedene Rezepte, aufwändiges Einkaufen, Kochen, Kalorienzählen.

Breites Sortiment für den Body

Teilweise ist Ferris sehr detailliert. So schildert er genau, welche Möglichkeiten es gibt, um Werte wie Gewicht, Fettanteil, Muskelanteil, Wasseranteil, Oberarmumfang oder Bauchumfang usw. zu messen. Es gibt Kapitel übers Gewichtreduzieren, klar. Aber auch über Nahrungsergänzung, das Kettlebell-Training und Bankdrücken, Anleitungen zu einem besseren Laufstil und eine effizientere Schwimmtechnik und auch für einen besseren Schlaf. Sogar der Sex wird nicht vergessen. Diese Querbeet-Mischung habe ich nicht von Anfang bis zum Ende gelesen. Vieles habe ich überflogen, in vieles habe ich mich vertieft. Denn spannend geschrieben ist es. Ferriss schafft es, anschaulich biologische Hintergründe und funktionale Gegebenheiten zu skizzieren. Dies immer im Hinblick darauf, wie sich dieses Wissen praktisch für Training und Ernährung einsetzen lässt. Es gibt ausführliche Anleitungen mit Fotos und Zeichnungen, auch Rezepte. Und am Ende jedes Kapitels gibt es Links zu bestimmten Inhalten und Studien im Internet. Ich habe versucht, einige wenige Links zu finden, aber leider stimmten genau diese Adressen nicht oder nicht mehr (die englische Originalversion ist ein paar Jährchen alt, vielleicht sind auch einige Links irrtümlich übersetzt worden? Ich habe mir das Buch per Onleihe ausgeliehen). Es gibt auch Hersteller-Links z.B. für die im Buch genannten Nahrungsergänzungsmittel, die Kettlebell, Barfuß-Schuhe u.a. ... Empfehlung des Autors, seine persönlichen Favoriten, und Werbung.

Nicht alles nachmachen

Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass Tim Ferriss Spaß an seinen Recherchen hatte und seinem Körper einfach alles zumutet - aus reiner Experimentierfreude - und auch, um den Körper in gewisserweise auszutricksen. Die Leser müssen nicht alles nachmachen. Die Diät habe ich allerdings ausprobiert. Mit wenig Aufwand die paar überflüssigen Kilos loswerden, will ich nämlich schon lange. Bei der von Tim Ferriss empfohlenen Slow Carb Diät soll sich der Stoffwechsel auf Fettverbrennung umstellen. Es klingt beim Lesen alles sehr einleuchtend, und Ferriss berichtet von verblüffenden Erfolgen (anhand von Vorher-Nachher-Fotos). Aber ich habe die Diät nur knapp 10 Tage durchgehalten. Ich hatte damit einfach keine Freude am Essen, und ich bin ein Genussmensch. Als Vegetarierin kann ich hier nur wenig variieren (immer nur Ei?). Also habe ich mir das Experiment nicht länger als nötig zugemutet. Auch das gehört zu einem vernünftigen Umgang mit dem eigenen Körper. Vielleicht versuche ich es mit einer anderen Methode oder mit Sport. Kraftraining und Laufen passen nicht unbedingt zu mir, aber ich habe mir jetzt ein Minitrampolin bestellt. Das kommt in dem Buch zwar nicht vor, aber ich meine, ohne Spaß an der Sache kann man es gleich vergessen.

 Methoden

  • Slow Carb Diät: Man vermeide an 6 Tagen der Woche die 'weißen' Kohlenhydrate und Milchprodukte (Kartoffeln, Reis, Brot, Zucker). Stattdessen gibt es mehr Eiweiß (Fleisch, Eier, körniger Hüttenkäse) sowie Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen) und natürlich Gemüse zu essen. Obst wird gemieden. An einem Tag in der Woche ist dagegen alles erlaubt, der sogenannte "Fress-Tag".
  • Zielgewicht anpeilen - mentale Einstellung: Ziel ist ein langsames stetiges Annähern an das Zielgewicht. Das Ausgangsgewicht wird am Anfang einer Tabelle vermerkt, das Endgewicht am Ende der Tabelle. Dazwischen liegt der Zeitraum, in welchem das Gewicht abgebaut werden soll. Das Gewicht wird zu festgelegten Zeiten gemessen und in die Tabelle eingetragen. Am besten auch graphisch aufbereiten.

Zitat

The 4-Hour Body is the result of an obsessive quest, spanning more than a decade, to hack the human body.
(Zitat aus der Webseite http://fourhourbody.com. Meine Übersetzung: Der 4-Stunden-Körper ist das Resultat einer über eine Dekade andauernden obsessiven Suche, den menschlichen Körper zu hacken (bzw. an seine Grenzen zu bringen).

Links

  • fourhourbody.com: Die Webseite von Tim Ferriss zum Buch
  • 4-Stunden-Körper-Blog  von Malte Tückmantel mit Tipps und Rezepten für die Slow Carb Diät. Malte experimentiert anhand der Vorlage und beschreibt seine Erfahrungen.
  • Die-4-Stunden-Körper-Toolbox von Joachim Simon bietet Tipps, Tricks und Kritik zu den Experimenten sowie wichtige Ergänzungen zum Buch, z.B. damit sich Anfänger beim Training mit Gewichten nicht verletzen.
 
Buchcover: Warum haben Eltern keinen BeipackzettelHuch, Beipackzettel? Sind Eltern etwa Arzneimittel mit Risiken und Nebenwirkungen? Wer den Titel des Buchs von Sabine und Roland Bösel liest, denkt vielleicht an einen Erziehungsratgeber. Doch die neun gehaltvollen Beipackzettel, die die beiden Paartherapeuten gemeinsam mit Daniela Pucher geschrieben haben, richten sich an erwachsene Paare. Es geht um unterschiedlichste Beziehungsprobleme. Vom Anschweigen und Zurückziehen über die möglicherweise falsche Berufs- und Partnerwahl bis zum Kommandieren, Beschuldigen und Fremdgehen und weitere.
Allen Fällen gemeinsam ist die Annahme, dass sich das emotionale Erbe unseres Elternhauses in den Konflikten zeigt. Dass die Paare oft über etwas streiten, was seinen Ursprung außerhalb der Beziehung hat. Sie können es nur lösen, indem sie sich  ihre Verhaltensweisen bewusst machen. Und sich der Vergangenheit, ihrer Kindheit, ihrer Vorfahren stellen. Die Autoren schildern viele Fallbeispiele aus ihrer Beratungspraxis - und scheuen sich auch nicht, von ihren eigenen Paarkonflikten zu berichten.

90-10-Regel für Konflikte

Schon im ersten Kapitel laden die Autoren ihre Leserschaft ein, vom Begriff der "Schuld" wegzukommen. Nach ihrer 90-10-Regel sagt jede frustrierende Situation mehr über uns selbst aus als über unsere Beziehung. 90 Prozent des Konflikts basierten auf unseren eigenen Erfahrungen, unserer Geschichte, 10 Prozent hätten mit dem aktuellen Anlass zu tun. Partner und Partnerin sind nach diesem Modell nur Auslöser. Sie bringen uns nach Meinung der Autoren dazu, unsere alten Erfahrungen mit einer aktuellen Situation zu verknüpfen - und lösen damit ein reaktives Muster aus.
Die Therapeuten machen deutlich: Werden die Ursprünge der Probleme nicht geklärt, dann hilft es nicht, einfach in der Situation zu verharren oder es mit immer wieder neuen Partnern zu versuchen.

Eltern als Beziehungsvorbilder

Eltern dienen als Beziehungsvorbild , auch wenn uns das nicht bewusst ist. Schon die Partnerwahl hängt eng mit unseren Erfahrungen zusammen. Im Buch zeigen viele Beispiele, wie es zu unerwünschten Nebenwirkungen durch das emotionale Erbe kommen kann. Da wird kopiert, was schon bei Vater oder Mutter beobachtet wurde, oder es wird - beim ewigen Rebell - ganz das Gegenteil gelebt, um es nur ja ganz anders als die Eltern zu machen.
In den Fällen, die die Autoren genauer betrachten werden, geht es um
  • verdeckte Aufträge an Kinder - wie z.B. für das Glück der Eltern verantwortlich zu sein
  • Schuldgefühle und Schuldzuweisungen
  • unbewusste Beschlüsse von Kindern - wie z.B. sich niemals so runtermachen zu lassen wie der Papa
  • Geheimnisse und Familiengeheimnisse
  • Rebellion
  • Vergebung

Warnhinweise

Jedes Kapitel startet mit einer Gebrauchsinformation und Warnhinweisen. Das hat mir gut gefallen, weil es einen Bezug zum Titel des Buches herstellt und gut auf das jeweilige Thema einstimmt. Die Inhalte sollen natürlich den Geist der Veränderung wecken. Und Menschen, die sich auf die Lösungsansätze einlassen, sollen Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen.
Der Ratgeber nimmt immer wieder Bezug auf die Paar- und Generationenseminare, die die beiden Wiener Therapeuten anbieten. Aber es muss ja nicht jeder eine Therapie machen. Das Buch bietet schon mit den Fallbeispielen wichtige Denkanregungen. Die Autoren stellen den Leserinnen und Lesern Fragen und bieten damit viele Impulse, um den Ursachen für wiederkehrende Konflikte auf den Grund zu gehen.

Methoden

  •  Theaterblick: Man stelle sich dabei vor, wie das eigene Leben und die eigene Beziehung auf einer Theaterbühne aufgeführt würden. Das Zuschauen soll erstens Distanz zum eigenen Problem erzeugen. Zweitens soll der Blickwinkel geweitet werden, indem auch die anderen Akteure, ihre Handlungen und Situationen betrachtet werden. Die neutrale Perspektive hilft dabei, das was tatsächlich passiert ist, von den eigenen Emotionen zu trennen.
  • Liebe und Geduld: Es dauert seine Zeit, Reaktionsmuster zu verändern. Deshalb ist Selbstgeißelung fehl am Platz - auch wenn man wieder in alte Verhaltensweisen zurückfällt. Selbsterkenntnis, Selbstliebe und eine gute Portion Humor helfen.
  • Imago-Paartherapie: Dabei geht es darum, mit dem Partner auf neue Weise zu kommunizieren, sich einzufühlen in seine/ihre Geschichte und Verhaltensweisen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Das Buch erklärt diesen Ansatz nicht ausführlich, nimmt aber Bezug darauf, weil die beiden Therapeuten damit arbeiten. (Genaueres dazu steht in einem anderen Buch der Bösels).

Zitat

Innere Reife entwickeln wir zum einen durch Loslassen. Zum anderen gilt es zu würdigen, dass unsere Vorfahren nur so und nicht anders handeln konnten. Und schließlich ist es auch wichtig, dankbar zu sein, für das, was wir bekommen haben und lernen konnten.

Sabine Bösel, Roland Bösel: Warum haben Eltern keinen Beipackzettel? Über Risiken und Nebenwirkungen des emotionalen Erbes fragen Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner 2013 Orac/192 Seiten Verwendung des Coverbilds mit freundlicher Genehmigung vom Verlag Kremayr & Scheriau/Orac