Texte verschenken? Wer denkt jetzt an Gedichte und Sonette? Sich hinsetzen, Reime suchen und Verse schmieden? Oder etwa einen Liebesbrief schreiben? Ich finde ja, dass manche Texte durchaus Geschenke sind: Zitate, Sprüche, schöne Worte, Namen mithin... Hach, da gibt's so schöne Zeilen.

Buddha sitzt und lächelt mit Blume, Schreibstift und Heft

Wer lächelt statt zu toben,
ist immer der Stärkere.

Selbiges schrieb mir dereinst eine Lehrerin mit ihrer energischen Handschrift ins "Pösie", mein Poesiealbum. Den Spruch fand ich zwar damals etwas simpel, und gereimt hatte es sich schon gar nicht. Doch irgendwie hat er mich immer begleitet.

Gibt es heute eigentlich noch Poesiealben? Und sind sie so beliebt wie früher? Und garniert man die Texte immer noch mit Blümchen? Dass mein Spruch von Laotse stammt, habe ich übrigens jetzt erst beim Googlen (wieder-)entdeckt.


gezeichneter-Mannheimer-WasserturmKann ich "meine Stadt von A bis Z" beschreiben?

Birgit Ebbert ruft in ihrem Blog zur touristischen Blogparade auf. Und ich will es für meine Wahlheimat Mannheim versuchen. Ich mag solche Schreibspiele. Die Wörtersuche anhand einer Liste von A bis Z liefert manch neue Einblicke.

Vor allem, wenn es gilt, weitere als die naheliegenden Begriffe zu finden. Denn Kathrin Hentzschel hat bereits einen schönen Überblick über Mannheims markante Ecken verfasst. Es ist also eine kleine Herausforderung.

Ich will mal sehen, was sich in der Quadratestadt noch entdecken lässt.

A wie Adler Mannheim für Eishockey-Fans
B wie Blumepeter: Mannheimer Original
C wie Capitol Mannheim: ehemaliger Filmpalast (aus 1927), heute Theater- und Kulturbetrieb
D wie Dialekt: Monnemmerisch bzw. Kurpfälzer Mundart
E wie Edoga, Mo: Künstler, Erbauer der Mannheimer Himmelskugel
F wie "Fernsehturm": Fernmeldeturm mit Drehrestaurant am Luisenpark
G wie Gogolo bzw. Monte Gogolo, Erhebung im Schlossgarten nahe Rheinpromenade, für Schlittenfahrten (bei Schnee) geeignet
H wie Hafen: zweitgrößter Binnenhafen in Deutschland
I wie Italienisches Eis von Fontanella: seit 1933 in Mannheim, Erfinder von Spaghettieis
J wie Jugendstil: Jugendstilbauten, Oststadtvillen, Augustaanlage und Wasserturm u. a.
K wie Kunsthalle Mannheim
L wie Luisenpark: Ehemaliges Bundesgartenschaugelände mit Klangoase und chinesischem Teehaus.
M wie Maimarkt: größte deutsche Regionalmesse, Institution seit dem 17. Jahrhundert
N wie Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete wie Maulbeerinsel, Silberpappel und Käfertaler Wald
O wie Ordnungsamt: Ist für die meisten Meldesachen zuständig, heißt heute Bürgerservice und ist in K7 zu finden
P wie Puppenspiele 
Q wie Quadrate: die Innenstadt mit Straßenbezeichnungen wie A2 und J3
R wie rem: die Reiss-Engelhorn-Museen
S wie Strandbad Mannheim-Neckarau: Grillwiese und Ferienflair am Rhein
T wie Tig7: das Theater in G7, ein freies Theater
U wie Umweltzone: Autos mit grüner Plakette können in die Mannheimer Innenstadt fahren 
V wie VRN: Verkehrsverbund Rhein-Neckar, die Busse und Bahnen der Region
W wie Waldpark auf der Reiß-Insel
X wie Xavier Naidoo: bekannter Sohn der Stadt, lehrt an der Mannheimer Popakademie
Y wie Yoga: Die Mannheimer lieben Yoga, wie sonst ließen sich die über 20 Yoga-Studios und weitere Angebote erklären
Z wie ZOB: der zentrale Busbahnhof/Fernbusbahnhof am Hauptbahnhof Mannheim

So ganz komme ich natürlich nicht ohne die bekannten Stätten und Sehenswürdigkeiten aus. Und Luisenpark und Quadrate müssen unbedingt rein. Schade auch, dass das Schloss bei mir nicht auftaucht...

Nachtrag: Alle 75 Beiträge der Blogparade hat Birgit Ebbert in ein E-Book (als E-Pub und PDF) zusammengefasst - Interessierte können es unter folgendem Link downloaden: http://www.birgit-ebbert-blog.de/zum-abschluss-der-blogparade-meine-stadt-von-a-bis-z/

[caption id="attachment_782" align="alignleft" width="296"]Frau mit Tüte Pommes, sitzend auf Sofa vor dem Fernseher Einfach so bleiben? Oder runter von der Couch und ab zum Coach Potato?[/caption] "Und was haben wir daraus gelernt?" Das ist eine Frage, die sich den Simpsons nach einem Chaos üblicherweise stellt. Üblicherweise heißt die Antwort: "Gar nichts." Die Figuren in der Trickserie bleiben wie sie sind, ihre Handlungen sind vorhersehbar, und sie landen zielsicher immer wieder in derselben Bredouille. Man könnte noch ergänzen, das Publikum liebt sie genau dafür. Rebecca Niazi-Shahabi leitet daraus einige interessante Ideen ab. Nämlich keine Philosophie zur persönlichen Weiterentwicklung, sondern einen Anti-Ratgeber: "Ich bleibe so scheiße, wie ich bin." Den Buchtitel fand ich zunächst blöd. Erstens liegt es mir fern, mich als scheiße zu bezeichnen, und zweitens möchte ich mich natürlich weiterentwickeln. Und natürlich möchte ich im Leben etwas dazulernen. Natürlich! Natürlich?

Ist Weiterentwicklung natürlich?

Die Neugier war größer als meine Abneigung gegen den Titel. Ich habe mir also das E-Book gekauft. Und schon nach den ersten Zeilen stellte sich bei mir eine angenehme Entspannung ein. Niazi-Shahabi lädt dazu ein, locker zu bleiben. Im Grunde verbreitet sie ein Plädoyer für mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Ich lese folgende Tipps heraus:
  • Akzeptiere dich, wie du bist. Handle nicht mehr gegen deine Natur.
  • Erkenne deine Schwächen - und mach sie zu deinen Stärken.
  • Erkenne deine eigenen Motive - und wehre die Ansprüche der anderen ab.
Doch das Buch hat mehr zu bieten. Niazi-Shahabi untersucht viele Aspekte, die mit dem Thema Selbstoptimierung und der Suche nach Glück und Zufriedenheit zusammenhängen. Dabei spannt die Autorin einen Bogen von Aristoteles über das Christentum zur calvinischen Arbeitsmoral. Letztere sei schuld, wann immer wir ein schlechtes Gewissen hätten, sobald wir uns amüsieren oder faulenzen. Heute spielten auch die Leistungsgesellschaft und die Arbeitslosenzahlen eine große Rolle.

Oder ist es ein Wahn?

Niazi-Shahabi spricht von einer Selbstverbesserungspropaganda, die uns ständig ermahne, uns gesund zu ernähren, Sport zu treiben, überflüssige Pfunde zu verlieren, an Beziehungen zu arbeiten, lebenslänglich zu lernen, achtsam zu sein, unsere Träume zu leben und erfolgreich Karriere zu machen... Als ob ständige Anstrengungen erforderlich seien, um nur endlich das 'richtige Leben' zu führen. Dieser Wahn führe dazu, dass man an seinem wirklichen Leben quasi vorbeilebe, weil
  • ... es ja noch nicht das 'richtige Leben' sei,
  • ... man 'eigentlich'  ja noch dies und jenes erreichen wolle,
  • ... man dazu erstmal dies und jenes optimieren müsse.
Mit dem Selbstoptimierungswahn sei es wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel, man könne nicht gewinnen. Nie sei man gut genug - und obendrein sei man auch noch selbst schuld daran. Wenn die vielen Ratgeber, Selbsthilfebücher, Coaches uns versprechen, dass man nur richtig an sich arbeiten oder 'positiv denken' müsse, um sich zu verändern, dann müsse man sich im Umkehrschluss ja erst recht als Versager fühlen, wenn es nicht gelingt. Burnout und Depression könnten folgen, je öfter wir uns in diese Maschine begeben.

Auf dem Weg zur Freiheit

Alles in allem spricht die Autorin eine Warnung vor Weiterentwicklung aus: Alles nur verlorene Zeit und Mühe - ob es um den Kampf gegen das Rauchen oder gegen die Kilos geht. Die einzige Ausnahme: Wenn man seinen Alltag sonst nicht mehr bewältigen kann - also, wenn man krank ist. Alle anderen sollten sich gründlich überlegen, ob das, was sie an sich verändern möchten, nicht vielleicht auch einen Vorteil darstellt. Leide ich unter Perfektionismus oder darunter, dass ich unordentlich bin? Will ich viel erleben und ausprobieren oder Karriere machen? Bin ich vielleicht lieber kein Organisationstalent, sondern bleibe ein kreativer Chaot?  Und habe ich nicht vielleicht doch bessere Chancen beim anderen Geschlecht, wenn ich so bleibe, wie ich bin? Ganz authentisch ich - mit meinen Pfunden? Dieses Buch ist ein guter Begleiter für einen entspannteren Umgang mit dem Optimierungsdruck. Es regt an, sich über die eigenen Motive klar zu werden, bevor man ein Selbstoptimierungsprojekt startet. Und es lädt dazu ein, die Erwartungen von anderen bzw. der Gesellschaft zu hinterfragen und über alternative Lebenskonzepte nachzudenken.

Tipps/Methoden:

  • Konfrontation mit wiederkehrenden Aussagen der Selbstoptimierungsindustrie wie z.B. "Sie haben alle Möglichkeiten, es liegt nur an Ihnen, was Sie daraus machen."
  • Sich den Erwartungen von anderen Menschen verweigern. Nicht mehr rechtfertigen oder entschuldigen, sondern einfach mal  sagen "Dazu habe ich keine Lust" oder "Das ist mir zu anstrengend."
  • Sich ausmalen, wie es wäre, nichts tun zu müssen bzw. wenn man alles tun könnte, was man wolle. Echte Freiheit verspüren, wenn man nicht mehr das Beste aus sich herausholen müsste.

Zitate:

Wer besser werden will, hat's nötig! Erklären Sie an sich selbst nichts mehr zum Problem, dann wird alles gut.
Rebecca Niazi-Shahabi: Ich bleibe so scheiße, wie ich bin - Lockerlassen und mehr vom Leben haben. Erschienen 2013 im Piper Verlag, als Taschenbuch oder  E-Book erhältlich. ISBN 978-3-492-95914-8